Mutterschutz

Mutterschutz

Ihre Kollegin hat die schöne Nachricht verkündet: „Ich bin schwanger!“ Wie erfreulich, die nächsten neun Monate werden auch für Ihre Abteilung ein wenig anders werden:

Beobachten, wie das Bäuchlein wächst, sich nach der Morgenübelkeit erkundigen oder die Kollegen darauf aufmerksam machen, dass Sie nun die schweren Kisten zu schleppen haben. Aber auch für die Kollegin geht die Schwangerschaft mit ein paar Veränderungen bezüglich Ihrer Rechte und Fristen im Unternehmen einher.

 

(1)     Für werdende Mütter gilt:

  • Nicht mehr als achteinhalb Stunden Arbeit pro Tag.
  • Keine schwere körperliche Arbeit leisten.
  • Keine Akkord- oder Fließ-, keine Mehr-, keine Sonntags- oder Nachtarbeit.
  • Keine Arbeit mit giftigen oder radioaktiven Stoffen.
  • Kein ständiges Stehen oder Heben.
  • Muss der werdenden Mutter aus diesen Gründen vorübergehend eine andere Aufgabe zugeteilt werden, so darf diese in Gehalt und Hierarchie nicht vom Status quo abweichen
    • Ist kein gleichwertiger Aufgabenbereich auffindbar, so muss die werdende Mutter unter vollem Lohnausgleich freigestellt werden
    • Hierbei ist auch eine Krankschreibung möglich: Das Unternehmen zahlt dann nur den Lohn von sechs Wochen, den Rest übernimmt die Krankenkasse

Dies bedeutet aber Einbuße für die werdende Mutter, denn die Krankenkasse übernimmt nur 70 % des Monatslohns.

 

(2)     Mutterschutz:

  • Beginn: sechs Wochen vor der Geburt (darf auch verkürzt werden)
  • Ende: acht Wochen nach der Geburt (stellt einen Pflichtzeitraum dar)
  • Ausnahmen:
    • Geschäftsführerinnen: dürfen nach der Geburt auch früher zur Arbeit zurückkommen
    • Früh- und Mehrlingsgeburten: dürfen bis zu zwölf Wochen nach der Geburt im Mutterschutz bleiben bzw. Verlängerung der Schutzfrist um den Zeitraum, den das Kind zu früh auf die Welt kam

Beispiele:

  • frühere Entbindung: Termin: 30. August, tatsächliche Entbindung: 15. August: Verlängerung der Schutzfrist um 14 Tage (wegen der Verschiebung von 30. auf 15.), also anstatt bis zum 10. Oktober dauert der Mutterschutz tatsächlich bis zum 24. Oktober an.
  • spätere Entbindung: Termin: 30. August, tatsächliche Entbindung: 5. September: die zugesagte Mutterschutzdauer von acht Wochen geht dann ab dem 5. September los, d. h. bis zum 31. Oktober

 

(3)     Kündigung:

  • Kündigungsschutz gilt während der Schwangerschaft, des Mutterschutzes und der Elternzeit (auch wenn Sie teilzeitbeschäftigt oder in der Probezeit sind)
  • Der Kündigungsschutz für Väter und Adoptiveltern gilt nur während der Elternzeit.

Das bedeutet: Zu dieser Zeit kann nur bei Insolvenz oder Betriebsschließung gekündigt werden. Aber auch dann wird die Zustimmung des Gewerbeaufsichtsamts benötigt, ansonsten ist die Kündigung erst vier Monate nach der Entbindung wirksam.

  • Weiß der Vorgesetzte zum Zeitpunkt der Kündigung über die Schwangerschaft Bescheid, kann von der werdenden Mutter Klage eingereicht werden.
  • Es besteht kein Recht auf  Vertragsverlängerung, wenn das befristete Arbeitsverhältnis zur Zeit der Schwangerschaft oder unmittelbar danach abläuft.
  • Besonderheit: Der Kündigungsschutz gilt in Unternehmen mit zehn oder weniger Mitarbeitern ausschließlich zur Zeit der Schwangerschaft und dauert bis zu zwei Monate nach der Geburt an.
  • Andersherum gelten die Regelungen nicht: eine schwangere Arbeitnehmerin kann jederzeit selbst kündigen. Bis zum Ende der Schutzfrist kann ohne Termineinhaltung gekündigt werden, das Arbeitsverhältnis endet dann mit dem Mutterschutz.

Hinweis: Die Vorgesetzten müssen nicht sofort über die Schwangerschaft informiert werden. Viele schwangere Mitarbeiterinnen warten gerne die ersten drei Monate ab. Wird ihnen in dieser Zeit gekündigt, bleiben zwei Wochen Zeit, um den Chef in Kenntnis zu setzen. Die Kündigung ist dann nicht mehr wirksam.

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